Reifendruckverlust am Reifen erkennen und sicher reagieren

Heinz-Dieter Brandt .

4. Juni 2026

Warnleuchte für **druckverlust reifen** leuchtet auf dem Armaturenbrett. Die Anzeige zeigt "LOW TIRE PRESSURE".

Ein Reifen kann über Nacht sichtbar weich werden oder über Wochen langsam Luft verlieren. Beides sollte ich ernst nehmen, denn zu wenig Druck verschlechtert Bremsen, Kurvenstabilität, Reifenlebensdauer und bei Nutzfahrzeugen auch die Betriebssicherheit. Ich zeige, welche Ursachen dahinterstecken, wie Sie den Fehler eingrenzen und wann die Fahrt sofort beendet werden muss.

Die wichtigsten Punkte zum Luftverlust auf einen Blick

  • Plötzlicher Druckverlust deutet meist auf einen Fremdkörper, ein beschädigtes Ventil oder eine Felge hin.
  • Schon 0,4 bis 0,5 bar zu wenig können Verschleiß, Verbrauch und Bremsweg spürbar erhöhen.
  • Der Reifendruck wird kalt und nach Herstellerangabe geprüft, nicht nach einem pauschalen Tabellenwert.
  • Bei sichtbaren Schäden oder einem platten Reifen nicht weiterfahren, sondern Pannendienst oder Werkstatt rufen.
  • Transporter und Lkw brauchen wegen hoher Achslasten eine konsequente Kontrolle vor der Abfahrt.

Woran man Druckverlust erkennt und warum er nicht harmlos ist

Ein schleichender Druckverlust fällt oft erst auf, wenn das Fahrzeug leicht zur Seite zieht, die Lenkung schwammiger wirkt oder das Reifendruckkontrollsystem warnt. Äußerlich kann der Reifen dabei noch völlig normal aussehen. Genau das macht kleine Undichtigkeiten so tückisch.

Fällt der Druck deutlich ab, verformt sich die Reifenflanke bei jeder Umdrehung stärker. Dadurch steigt die Walkarbeit, also die dauernde Verformung des Gummis, und der Reifen erwärmt sich stärker. Bei schneller Autobahnfahrt oder hoher Beladung kann daraus ein ernster Reifenschaden entstehen.

Bereits etwa 0,4 bar unter dem Sollwert erhöhen den Verschleiß und den Rollwiderstand. Der ADAC nennt bei rund 0,5 bar Minderdruck je nach Fahrzeug einen Mehrverbrauch von etwa 0,2 bis 0,4 Litern je 100 Kilometer. Bei dauerhaft rund 20 Prozent zu wenig Druck kann die Laufleistung eines Reifens um ungefähr 15 bis 30 Prozent sinken.

Diese Ursachen stecken meist hinter dem Luftverlust

Fremdkörper in der Lauffläche

Schrauben, Nägel oder Metallteile verursachen besonders häufig einen langsamen Verlust. Der Fremdkörper verschließt die Einstichstelle manchmal teilweise, sodass der Reifen erst über mehrere Tage Druck verliert. Entfernen sollten Sie ihn nicht selbst, weil die Luft dann schlagartig entweichen kann.

Undichtes Ventil

Ein poröses oder beschädigtes Ventil lässt sich von außen nicht immer erkennen. Mit etwas Seifenwasser können Sie prüfen, ob sich an Ventil und Ventileinsatz kleine Blasen bilden. Bei Nutzfahrzeugen mit Ventilverlängerungen und Zwillingsbereifung müssen auch die schwer zugänglichen Bauteile kontrolliert werden.

Felge oder Reifenwulst

Korrosion an der Felge, eine verbogene Felgenkante oder Schmutz zwischen Felge und Reifen können die Abdichtung stören. Nach einem harten Bordstein- oder Schlaglochkontakt ist diese Ursache besonders wahrscheinlich. In diesem Fall reicht Aufpumpen nicht aus, weil der Druck erneut sinken wird.

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Temperatur und normale Diffusion

Bei kaltem Wetter sinkt der gemessene Druck an allen Reifen etwas ab. Das erklärt jedoch keinen deutlichen Unterschied zwischen einzelnen Rädern. Ein Reifen, der regelmäßig stärker nachgefüllt werden muss als die anderen, hat sehr wahrscheinlich eine Undichtigkeit.

Auch intakte Reifen verlieren langsam Luft durch Diffusion. Der ADAC nennt als grobe Größenordnung etwa 0,1 bar in drei Monaten. Ein wesentlich schnellerer Verlust ist kein normaler Wartungszustand, auch dann nicht, wenn der Reifen noch nicht sichtbar platt ist.

So prüfen Sie Reifendruck und Ursache richtig

Ich prüfe den Luftdruck grundsätzlich vor der ersten Fahrt, wenn die Reifen kalt sind. Maßgeblich sind die Angaben des Fahrzeugherstellers an der B-Säule, im Tankdeckel oder in der Betriebsanleitung. Bei einem Transporter oder Lkw hängt der Sollwert stark von Achslast, Bereifung und Beladung ab. Ein pauschaler Wert wie 2,5 oder 8,5 bar ist deshalb nicht zuverlässig.

  1. Kontrollieren Sie alle Räder, bei Nutzfahrzeugen auch das innere Rad einer Zwillingsbereifung.
  2. Vergleichen Sie die Messwerte mit der passenden Beladungsstufe des Herstellers.
  3. Sehen Sie Laufflächen und Flanken nach Nägeln, Rissen, Beulen und Scheuerstellen ab.
  4. Prüfen Sie Ventile und Felgenrand mit Seifenwasser auf Blasenbildung.
  5. Kontrollieren Sie den Reifen nach einigen Stunden erneut, wenn der Druck auffällig schnell sinkt.

War der Reifen bereits warm gefahren, sollte ich nicht einfach Luft ablassen, nur weil der Wert höher als der Kaltwert ist. Der Druck steigt durch Erwärmung. In diesem Fall fahre ich den Reifen abkühlen und messe später erneut, sofern kein akuter Schaden vorliegt.

Das Reifendruckkontrollsystem ist dabei eine wertvolle Hilfe, aber kein Ersatz für die Sicht- und Druckprüfung. Direkt messende Systeme zeigen meist den Druck einzelner Räder an. Indirekte Systeme erkennen Veränderungen am Abrollverhalten und können langsame oder gleichmäßige Druckverluste später melden.

Was bei Warnleuchte und plattem Reifen zu tun ist

Leuchtet die RDKS-Warnung während der Fahrt auf, reduziere ich die Geschwindigkeit und suche bei nächster sicherer Gelegenheit einen Halteplatz. Danach prüfe ich, ob ein Reifen sichtbar beschädigt oder stark verformt ist. Ein plötzlicher Druckverlust oder ein deutlich platter Reifen bedeutet nicht weiterfahren.

Ist nur wenig Luft entwichen und kein Schaden erkennbar, kann der Reifen vorsichtig bis zur nächsten geeigneten Prüfmöglichkeit aufgefüllt werden. Das gilt nur für eine kurze Strecke und mit reduzierter Geschwindigkeit. Bei einem Fahrzeug mit hoher Beladung oder Anhänger würde ich eher den Pannendienst rufen.

Nach der Druckkorrektur muss das RDKS je nach Fahrzeug neu initialisiert werden. Das Zurücksetzen löscht jedoch nicht die Ursache. Wenn die Warnung nach kurzer Zeit wiederkommt, braucht der Reifen eine fachgerechte Prüfung und wahrscheinlich eine Reparatur oder einen Austausch.

Reparaturen sind nur möglich, wenn der Schaden dafür geeignet ist, etwa ein kleiner Einstich im mittleren Bereich der Lauffläche. Schäden an der Seitenwand, größere Risse oder ein Reifen, der längere Zeit mit zu wenig Druck gefahren wurde, gelten in der Regel als Austauschfall. Von außen kann man nicht sicher beurteilen, ob die Karkasse bereits beschädigt ist.

Warum Nutzfahrzeuge besonders konsequent geprüft werden müssen

Bei einem Pkw bedeutet ein falscher Druck bereits weniger Reserven beim Bremsen. Bei einem voll beladenen Sprinter, Atego oder Actros kommen hohe Achslasten, lange Laufzeiten und oft hohe Autobahngeschwindigkeiten hinzu. Der Reifen arbeitet dann deutlich näher an seiner thermischen und mechanischen Belastungsgrenze.

Für Fuhrparks empfehle ich eine kurze Abfahrtskontrolle bei jeder Tour. Dazu gehören sichtbare Schäden, ungewöhnliche Verformungen, Ventile, Profilzustand und der dokumentierte Luftdruck. Ein kalibriertes Messgerät ist zuverlässiger als der gelegentliche Blick auf die Reifenflanke.

Reifendruckkontrollsysteme mit Datenübertragung können bei vielen Fahrzeugen und Anhängern sinnvoll sein. Sie helfen, schleichende Verluste früh zu erkennen und Wartungen zu planen. Sie ersetzen aber weder die Kontrolle vor Fahrtbeginn noch die Untersuchung eines Reifens, der bereits längere Zeit mit Minderdruck gelaufen ist.

Besonders bei Zwillingsreifen wird ein Problem leicht übersehen. Das äußere Rad kann den Eindruck erwecken, dass alles stimmt, während der innere Reifen zu wenig Druck hat oder an der Flanke scheuert. Genau deshalb sollten beide Räder einzeln zugänglich sein oder mit geeigneter Messtechnik überwacht werden.

Ein kleiner Druckverlust ist ein klarer Wartungshinweis

Einmaliges Nachfüllen nach einem starken Temperaturwechsel ist nicht automatisch ein Defekt. Muss ich denselben Reifen jedoch wiederholt auffüllen, behandle ich das als Fehlersignal und lasse Ventil, Felge sowie Reifenwulst prüfen.

Die wichtigste Routine bleibt einfach. Kalt messen, Herstellerwert für die aktuelle Beladung verwenden, alle Räder einbeziehen und bei sichtbaren Schäden nicht weiterfahren. Diese wenigen Minuten schützen nicht nur den Reifen, sondern auch Bremsweg, Fahrwerk, Ladung und die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer.

Dieser Artikel dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken. Das Material wurde mit Unterstützung moderner Analyse- und Sprachwerkzeuge (KI) erstellt. Konsultieren Sie vor einer Entscheidung einen Experten.

Häufig gestellte Fragen

Häufig stecken ein Fremdkörper in der Lauffläche, ein undichtes Ventil oder eine beschädigte Felge beziehungsweise ein undichter Reifenwulst dahinter. Kälte senkt den Druck zwar etwas bei allen Reifen, erklärt aber keinen deutlichen Unterschied zwischen einzelnen Rädern. Intakte Reifen verlieren durch Diffusion grob etwa 0,1 bar in drei Monaten.
Messen Sie den Druck vor der ersten Fahrt bei kalten Reifen und verwenden Sie die Herstellerangabe an der B-Säule, im Tankdeckel oder in der Betriebsanleitung. Bei Transportern und Lkw müssen Achslast, Bereifung und aktuelle Beladung berücksichtigt werden. Kontrollieren Sie bei Zwillingsbereifung beide Räder einzeln.
Reduzieren Sie die Geschwindigkeit und halten Sie bei nächster sicherer Gelegenheit an. Bei einem platten oder sichtbar beschädigten Reifen dürfen Sie nicht weiterfahren. Nur wenn wenig Luft fehlt, kein Schaden erkennbar ist und keine hohe Beladung oder ein Anhänger vorliegt, kann vorsichtig bis zur nächsten geeigneten Prüfmöglichkeit gefahren werden.
Ein kleiner Einstich im mittleren Bereich der Lauffläche kann für eine Reparatur geeignet sein. Schäden an der Seitenwand, größere Risse oder ein Reifen, der längere Zeit mit zu wenig Druck gefahren wurde, sind in der Regel ein Austauschfall. Von außen lässt sich eine mögliche Karkassenschädigung nicht sicher beurteilen.
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Autor Heinz-Dieter Brandt
Heinz-Dieter Brandt
Mein Name ist Heinz-Dieter Brandt und seit nunmehr 10 Jahren beschäftige ich mich intensiv mit Nutzfahrzeugen. Diese Leidenschaft hat sich über die Jahre entwickelt, und heute ist es mir ein Anliegen, Ihnen die komplexe Welt der Technik, Flottenmanagement und Kaufberatung rund um Lkw und Transporter näherzubringen. Ich lege großen Wert darauf, Ihnen fundierte Informationen zu liefern, die auf sorgfältiger Recherche und dem Abgleich verschiedenster Quellen basieren. Mein Ziel ist es, auch anspruchsvolle technische Details verständlich zu erklären und Ihnen so bei Ihren Entscheidungen zu helfen. Ich verfolge stets die aktuellen Entwicklungen in der Branche, um Ihnen stets aktuelle und nützliche Einblicke geben zu können.
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