Ein Blitz bei 57 km/h in einer 50er-Zone bedeutet nicht automatisch, dass exakt 7 km/h zu viel angesetzt werden. In Deutschland wird vom geeichten Messwert eine feste Messtoleranz abgezogen. Ich zeige, wie hoch dieser Abzug ausfällt, welche Unterschiede es bei Laser, Radar und Nachfahrmessung gibt und worauf Fahrer von Transportern oder Lkw im Bußgeldbescheid achten sollten.
Die entscheidende Geschwindigkeit steht erst nach dem Toleranzabzug fest
- Bis 100 km/h werden in der Regel 3 km/h abgezogen.
- Über 100 km/h beträgt der Abzug normalerweise 3 Prozent des Messwerts.
- Die Toleranz ist kein Freifahrtschein, sondern berücksichtigt mögliche Messabweichungen.
- Bei einer Nachfahrmessung können andere Werte gelten, etwa 5 km/h oder 5 Prozent.
- Bei Nutzfahrzeugen ändern sich vor allem zulässige Höchstgeschwindigkeit und Bußgeld, nicht automatisch die Messtoleranz.

Welche Toleranz beim Blitzer in Deutschland gilt
Die einfache Faustregel lautet: Bis zu einem geeichten Messwert von 100 km/h werden 3 km/h abgezogen. Liegt der Messwert darüber, zieht die Behörde normalerweise 3 Prozent ab. Erst das Ergebnis, also die sogenannte anrechenbare oder vorwerfbare Geschwindigkeit, wird mit dem Tempolimit verglichen.
| Geeichter Messwert | Toleranzabzug | Rechnerisch anrechenbarer Wert |
|---|---|---|
| 60 km/h | 3 km/h | 57 km/h |
| 83 km/h | 3 km/h | 80 km/h |
| 100 km/h | 3 km/h | 97 km/h |
| 120 km/h | 3 Prozent = 3,6 km/h | 116,4 km/h |
| 150 km/h | 3 Prozent = 4,5 km/h | 145,5 km/h |
Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt, kurz PTB, beschreibt diesen Abzug als Berücksichtigung der Verkehrsfehlergrenze. Das bedeutet nicht, dass ein Blitzer erst ab einer bestimmten Überschreitung auslösen darf. Er kann auch bei einer geringen Überschreitung messen, entscheidend für das Verfahren ist aber der bereinigte Messwert.
Warum die Toleranz keine erlaubte Zusatzgeschwindigkeit ist
Ein Tempolimit von 50 km/h bleibt ein Tempolimit von 50 km/h. Wer mit 63 km/h gemessen wird, erhält nach dem Abzug von 3 km/h einen vorwerfbaren Wert von 60 km/h und liegt damit 10 km/h über der zulässigen Geschwindigkeit.
Anders sieht das Beispiel mit 83 km/h in einer 80er-Zone aus. Nach dem Abzug verbleiben 80 km/h, sodass aus dieser Messung normalerweise keine vorwerfbare Überschreitung entsteht. Bei 84 km/h Messwert wären es dagegen 81 km/h und damit 1 km/h zu viel.
Was ich in der Praxis häufig sehe, ist eine Verwechslung von Mess- und Tachoanzeige. Der Tacho im Fahrzeug ist nicht geeicht und darf die tatsächliche Geschwindigkeit nicht unterschreiten, kann aber deutlich vorgehen. Zeigt der Tacho 114 km/h, kann das Fahrzeug tatsächlich beispielsweise nur etwa 100 km/h schnell sein. Auf die Tachoanzeige sollte man sich bei einem Bußgeldverfahren deshalb nicht als Gegenbeweis verlassen.
Die Messmethode kann den Abzug verändern
Bei stationären und mobilen Blitzern gilt im Regelfall dieselbe Grundregel. Sie umfasst klassische Radar- und Lasermessungen ebenso wie viele moderne Messanlagen. Eine Besonderheit entsteht bei Messungen aus einem fahrenden Polizeifahrzeug heraus.
| Messart | Typischer Toleranzabzug | Besonderheit |
|---|---|---|
| Stationärer oder mobiler Blitzer | 3 km/h bis 100 km/h, darüber 3 Prozent | Geeichtes Messgerät, bereinigter Messwert maßgeblich |
| Lasermessung aus einem stehenden Fahrzeug | In der Regel 3 km/h beziehungsweise 3 Prozent | Gerät und Bedienung müssen den Zulassungsvorgaben entsprechen |
| ProViDa-Nachfahrmessung | 5 km/h bis 100 km/h, darüber 5 Prozent | Messung erfolgt aus einem fahrenden Polizeifahrzeug |
| Nachfahren ohne spezielles Messsystem | Fallabhängig, teils bis zu 20 Prozent | Abstand, Messstrecke und gleichbleibende Geschwindigkeit sind wichtig |
Bei einer klassischen Nachfahrmessung muss die Polizei unter anderem eine ausreichend lange Strecke beobachten und den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug möglichst konstant halten. Eine pauschale Zahl wie 20 Prozent gilt hier nicht automatisch in jedem Fall. Sie beschreibt lediglich einen möglichen Sicherheitsabschlag, dessen Höhe von den konkreten Umständen abhängt.
Auch eine Abschnittskontrolle ermittelt nicht einfach die Geschwindigkeit am einzelnen Messpunkt, sondern die Durchschnittsgeschwindigkeit zwischen zwei Punkten. Für den Fahrer zählt trotzdem das gleiche Prinzip: Der festgestellte Messwert wird nach den geltenden Regeln bereinigt, bevor die Überschreitung berechnet wird.
Bei Transportern und Lkw entscheidet zuerst die Fahrzeugklasse
Für Nutzfahrzeuge ist die Toleranzfrage nur ein Teil der Rechnung. Ein Mercedes-Benz Sprinter bis 3,5 Tonnen ohne Anhänger kann außerorts grundsätzlich anderen Geschwindigkeitsregeln unterliegen als ein schwerer Lkw oder ein Transporter mit Anhänger. Die Messabweichung bleibt meist gleich, aber Tempolimit und Bußgeldtabelle können sich deutlich unterscheiden.
| Fahrzeug oder Kombination | Allgemeine Höchstgeschwindigkeit außerorts | Typische Folge bis 10 km/h zu viel |
|---|---|---|
| Pkw oder Transporter bis 3,5 t ohne Anhänger | 100 km/h, sofern kein anderes Limit gilt | 30 Euro innerorts, 20 Euro außerorts |
| Pkw mit Anhänger oder viele schwere Nutzfahrzeuge bis 7,5 t | 80 km/h | 40 Euro innerorts, 30 Euro außerorts |
| Lkw über 7,5 t | 60 km/h | Je nach Fahrzeugkategorie gelten höhere Regelsätze |
| Kennzeichnungspflichtiges Fahrzeug mit Gefahrgut oder Kraftomnibus mit Fahrgästen | Abhängig von Fahrzeug und Strecke | Besonders strenge Bußgeldsätze |
Die Werte in der Tabelle sind Regelsätze unter gewöhnlichen Umständen. Bei schweren Fahrzeugen kann bereits eine vergleichsweise kleine Überschreitung teurer werden. Bei bestimmten Fahrzeugkategorien sieht der Bußgeldkatalog für 21 bis 25 km/h zu viel innerorts beispielsweise 175 Euro vor, bei Gefahrguttransportern oder Bussen mit Fahrgästen sogar 360 Euro und zusätzlich ein Regelfahrverbot.
Gerade im Fuhrpark sollte deshalb nicht nur die Tachogeschwindigkeit betrachtet werden. Entscheidend sind zulässige Gesamtmasse, Anhänger, Ladung, Fahrzeugart und der konkrete Streckenabschnitt. Ein pauschaler „Lkw-Toleranzwert“ führt schnell zu einer falschen Einschätzung.
Was im Schreiben der Behörde geprüft werden sollte
Im Anhörungsbogen oder Bußgeldbescheid sollten mehrere Geschwindigkeiten auftauchen. Relevant ist nicht nur der rohe Messwert, sondern vor allem die vorwerfbare Geschwindigkeit nach Toleranzabzug. Daraus ergibt sich, in welche Stufe des Bußgeldkatalogs der Fall fällt.
- Messwert prüfen: Welche Geschwindigkeit wurde vom Gerät erfasst?
- Toleranz prüfen: Wurden 3 km/h, 3 Prozent oder ein anderer Abschlag verwendet?
- Messart prüfen: Handelt es sich um Radar, Laser, Section Control oder eine Nachfahrmessung?
- Tempolimit prüfen: War das Limit zum Messzeitpunkt korrekt ausgeschildert und für das Fahrzeug gültig?
- Fahrzeugklasse prüfen: Wurde ein Transporter mit Anhänger oder ein schweres Nutzfahrzeug richtig eingeordnet?
- Foto und Fahreridentifizierung prüfen: Ist die abgebildete Person eindeutig erkennbar?
Ein Verwarnungsgeld bis einschließlich 55 Euro kann ohne zusätzliche Gebühren angeboten werden. Ein formeller Bußgeldbescheid enthält dagegen regelmäßig Gebühren und Auslagen. Wer einen Bußgeldbescheid erhalten hat und ihn anfechten möchte, muss den Einspruch grundsätzlich innerhalb von zwei Wochen nach Zustellung einlegen.
Ich würde einen Einspruch nicht allein deshalb einlegen, weil der Tacho weniger angezeigt hat als der Bescheid. Sinnvoller ist eine Prüfung, wenn beispielsweise die Messart unklar ist, das Fahrzeug falsch kategorisiert wurde, die Beschilderung zweifelhaft war oder Angaben zu Messgerät und Toleranz nicht zusammenpassen.
So lässt sich die eigene Geschwindigkeit realistisch einordnen
Für eine erste Einschätzung genügt eine einfache Rechnung. Bei einem Messwert bis 100 km/h werden 3 km/h abgezogen. Bei einem Messwert darüber zieht man 3 Prozent ab. Anschließend vergleicht man den verbleibenden Wert mit dem für das konkrete Fahrzeug geltenden Tempolimit.
Bei einem Firmenfahrzeug sollte außerdem dokumentiert sein, wer zum betreffenden Zeitpunkt gefahren ist. Das erleichtert die Zuordnung, ersetzt aber keine rechtliche Prüfung. Besonders bei mehreren Fahrern, Anhängern und wechselnden Fahrzeugen entstehen Fehler häufig nicht bei der Messung, sondern bei der falschen Zuordnung des Fahrzeugs oder Fahrers.
Die sicherste Haltung bleibt deshalb, die Toleranz als technischen Sicherheitsabzug zu verstehen und nicht als eingeplante Reserve. Wer dauerhaft einige Kilometer pro Stunde unter dem Limit bleibt, schützt nicht nur das Punktekonto, sondern reduziert auch das Risiko, dass eine kleine Abweichung bei Messung oder Tacho im Alltag teuer wird.