Frisch montierte Reifen fühlen sich oft anders an als der abgefahrene Satz, den man bisher gewohnt war. Die Lenkung kann zunächst leicht ungewohnt reagieren, während die Oberfläche noch nicht ihre optimale Haftung erreicht hat. Ich zeige, wie Sie neue Reifen sicher einfahren, welche Rolle Reifendruck und Radbefestigung spielen und worauf bei Transportern und Nutzfahrzeugen besonders zu achten ist.
So bleiben neue Reifen von Anfang an berechenbar
- Erste 100 Kilometer ruhig beschleunigen, bremsen und lenken.
- Bis etwa 500 Kilometer nicht bis an die Haftungsgrenze fahren.
- Den kalten Reifendruck nach Herstellerangabe einstellen, nicht nach dem Maximaldruck auf der Reifenflanke.
- Radschrauben oder Radmuttern nach ungefähr 50 bis 100 Kilometern kontrollieren lassen.
- Bei Transportern zählt der Druck passend zu Achslast, Beladung und Einsatz.

Neue Reifen einfahren ohne unnötiges Risiko
Neue Reifen müssen nicht aufwendig vorbereitet werden, aber sie sollten in den ersten Kilometern nicht abrupt gefordert werden. Auf der Lauffläche können noch Rückstände aus der Herstellung und Montage vorhanden sein. Gleichzeitig ist das Profil bei einem Neureifen besonders tief und die Karkasse, also das tragende Gewebe im Reifen, muss sich erst an die Belastung anpassen.
Ich sehe das Einfahren deshalb nicht als spezielle Zeremonie, sondern als kurze Phase der Eingewöhnung. Die ersten 100 Kilometer fahre ich besonders aufmerksam. Bis ungefähr 500 Kilometer vermeide ich weiterhin extreme Bremsungen, schnelle Kurven und starke Beschleunigung, sofern es die Verkehrssituation nicht erzwingt.
Warum sich neue Reifen zunächst anders anfühlen
Ein neuer Reifen hat eine andere Profilhöhe und häufig eine steifere, noch wenig belastete Lauffläche. Dadurch kann das Fahrzeug leicht schwammig oder ungewohnt direkt reagieren. Continental beschreibt dieses Verhalten als „Squirm“, also ein leichtes Bewegen des Profils unter Lenkkräften.
Das bedeutet nicht automatisch, dass der Reifen schlecht ist. Meist verschwindet der Eindruck nach einigen Fahrten. Bleiben Vibrationen, ein Ziehen zur Seite oder ungewöhnliche Geräusche bestehen, handelt es sich jedoch nicht um eine normale Einfahrerscheinung.
Wie viele Kilometer sind sinnvoll
| Fahrstrecke | Empfohlene Fahrweise |
|---|---|
| Erste 10 Kilometer | Ruhig anfahren, sanft bremsen und enge Kurven vermeiden. |
| Bis etwa 100 Kilometer | Keine Vollgasstarts, Notbremsungen oder schnellen Richtungswechsel ohne Anlass. |
| Bis etwa 500 Kilometer | Normale Nutzung ist möglich, das Haftungslimit sollte aber noch nicht gesucht werden. |
Eine gesetzlich festgelegte Einfahrstrecke gibt es nicht. Die genaue Empfehlung kann je nach Reifenbauart, Fahrzeug und Hersteller abweichen. Bei Motorradreifen gelten oft andere Anforderungen als bei Pkw- oder Transporterreifen, weil dort auch die seitlichen Flanken schrittweise belastet werden.
Vor der ersten Fahrt zählt die Kontrolle
Das wichtigste Einfahrprogramm beginnt schon in der Werkstatt. Ein falsch montierter oder falsch befüllter Reifen wird durch vorsichtiges Fahren nicht sicher. Ich prüfe deshalb zuerst, ob Reifengröße, Tragfähigkeitsindex und Geschwindigkeitsindex zum Fahrzeug passen.
- Reifendruck am kalten Reifen nach Fahrzeugangabe einstellen
- Laufrichtung und Kennzeichnung der Außenseite beachten
- Felge, Ventil und Reifenflanke auf sichtbare Schäden prüfen
- Radschrauben mit dem vorgeschriebenen Drehmoment anziehen lassen
- Reifendruckkontrollsystem zurücksetzen oder Sensoren anlernen
- Freigängigkeit bei vollem Lenkeinschlag kontrollieren
Der richtige Druck steht meist an der B-Säule, im Tankdeckel oder in der Betriebsanleitung. Der Wert auf der Reifenflanke ist in der Regel der höchstzulässige Reifendruck des Reifens, nicht automatisch der passende Betriebsdruck für Ihr Fahrzeug.
Radmuttern nach der Montage prüfen
Nach einem Reifen- oder Radwechsel sollten die Befestigungen nach rund 50 bis 100 Kilometern erneut kontrolliert werden. Der ADAC empfiehlt diese Nachprüfung ebenfalls nach etwa 50 Kilometern. Dabei werden die Muttern mit einem kalibrierten Drehmomentschlüssel geprüft und nicht einfach nach Gefühl weiter angezogen.
Zu starkes Anziehen kann Gewinde und Felge beschädigen, zu wenig Anzug kann dazu führen, dass sich die Verbindung lockert. Bei schweren Nutzfahrzeugen ist diese Kontrolle besonders wichtig, weil hohe Achslasten und lange Einsatzstrecken kleine Montagefehler deutlich stärker belasten.
So fahren Sie die ersten Kilometer richtig
Für die erste Fahrt eignet sich eine übersichtliche, möglichst trockene Strecke mit wenig Verkehr. Ich empfehle, die neue Bereifung nicht auf einer kurvenreichen Passstraße oder direkt vor einer langen Autobahnfahrt erstmals zu testen.
- Sanft anfahren: Das Drehmoment nicht schlagartig auf die Antriebsachse bringen.
- Frühzeitig bremsen: Behutsame Bremsungen reichen aus, um die Oberfläche gleichmäßig zu belasten.
- Kurven ruhig durchfahren: Die Lenkung nicht ruckartig bewegen und keine schnellen Ausweichmanöver ausprobieren.
- Abstand vergrößern: In der Anfangsphase kann sich der Bremsweg ungewohnt anfühlen.
- Tempo anpassen: Bei Nässe, Kälte, Laub, Baustellenschmutz oder Bitumen besonders defensiv fahren.
Absichtliches Schlingern oder starkes Hin- und Herlenken halte ich für eine schlechte Idee. Es bringt keinen kontrollierten Vorteil und kann gerade bei einem Transporter mit hohem Schwerpunkt gefährlich werden. Auch kräftiges Bremsen auf einem Parkplatz ist kein sinnvoller Ersatz für eine gleichmäßige Fahrt im normalen Straßenverkehr.
Eine trockene Fahrbahn ist hilfreich, aber kein Muss. Wenn die Reifen bei Regen montiert wurden, fahren Sie einfach mit reduzierter Geschwindigkeit und größerem Abstand. Eine notwendige Gefahrenbremsung hat selbstverständlich Vorrang vor jeder Einfahrregel.
Besonderheiten bei Transportern und Nutzfahrzeugen
Bei einem Pkw ist das Einfahren meist schnell erledigt. Bei einem Transporter, Lkw oder Bus beeinflussen dagegen Beladung, Achslast, Reifendruck und Einsatzprofil das Verhalten deutlich. Ein leerer Kastenwagen reagiert anders als dasselbe Fahrzeug mit voller Ladung, und ein Baustellenfahrzeug wird anders belastet als ein Verteilerfahrzeug im Stadtverkehr.
| Einsatz | Besonders beachten |
|---|---|
| Leerfahrten | Keinen Druck für Volllast verwenden, wenn der Fahrzeughersteller unterschiedliche Werte vorgibt. |
| Volle Beladung | Achslasten und vorgeschriebenen Druck vor Fahrtbeginn prüfen. |
| Baustelle oder Schotter | Steine, Kanten und niedrige Geschwindigkeiten können Reifen und Flanken stark beanspruchen. |
| Autobahn und Fernverkehr | Temperatur, Druck und sichtbare Schäden bei Pausen kontrollieren. |
Bei Lkw- und Busreifen sollte die Montage immer durch geschultes Personal mit geeigneter Ausrüstung erfolgen. Für das Aufpumpen schwerer Reifen gelten besondere Sicherheitsregeln. Die Einfahrphase selbst bleibt vergleichsweise unspektakulär, aber der korrekte Betriebsdruck unter der tatsächlichen Last ist entscheidend für Laufleistung und Stabilität.
Im Fuhrpark würde ich die ersten Kilometer nicht dem Zufall überlassen. Eine kurze Fahrerinformation, der dokumentierte Montagekilometerstand und eine Kontrolle nach 50 bis 100 Kilometern verhindern, dass sich ein Problem erst auf der nächsten langen Tour bemerkbar macht.
Reifen, Bremsen und Fahrwerk nicht verwechseln
Nach einem Reifenwechsel wird manchmal das gesamte Fahrverhalten dem neuen Reifen zugeschrieben. Das ist nicht immer richtig. Wurden gleichzeitig Bremsscheiben, Bremsbeläge oder Fahrwerksteile erneuert, brauchen auch diese Komponenten eine eigene Eingewöhnungsphase.
Neue Bremsbeläge und Bremsscheiben
Neue Bremsbeläge und Scheiben müssen sich aufeinander einarbeiten. In dieser Zeit sollte man unnötige starke Bremsungen vermeiden und die Hinweise der Werkstatt beachten. Ein leicht verändertes Pedalgefühl kann vorkommen, aber Rubbeln, Schleifen oder einseitiges Bremsen gehören geprüft.
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Fahrwerk und Achsgeometrie
Wurde an Lenkung, Querlenkern, Federn oder Stoßdämpfern gearbeitet, kann eine Achsvermessung erforderlich sein. Ein Fahrzeug, das nach dem Reifenwechsel dauerhaft zur Seite zieht oder das Lenkrad schief stehen lässt, sollte nicht einfach weiter eingefahren werden.
Neue Reifen können ein vorhandenes Fahrwerksproblem sogar sichtbarer machen. Ungleichmäßiger Abrieb, Lenkradvibrationen ab einer bestimmten Geschwindigkeit oder wiederkehrender Luftverlust sind für mich klare Gründe, die Werkstatt zeitnah aufzusuchen.
Diese Fehler verkürzen die Lebensdauer
Viele Probleme entstehen nicht durch den Reifen selbst, sondern durch falsche Erwartungen. Neue Reifen sind kein Freifahrtschein für sportliches Fahren, und ein größerer Luftdruck macht ein beladenes Fahrzeug nicht automatisch stabiler.
- Zu schnelles Fahren direkt nach der Montage
- Starke Beschleunigung auf der Antriebsachse
- Reifendruck nur nach Augenmaß beurteilen
- Den Druck bei warmen Reifen korrigieren
- Vibrationen als normale Einfahrerscheinung abtun
- Reifen mit falscher Tragfähigkeit oder falschem Lastindex verwenden
- Bei Mischbereifung Freigaben und Achszuordnung ignorieren
Auch Reifenpflegemittel gehören nicht auf die Lauffläche. Wasser und normale Reinigung genügen. Glänzende Pflegemittel können die Reibung vorübergehend verändern und haben dort nichts zu suchen, wo der Reifen Kontakt zur Straße herstellen soll.
Nach den ersten Kilometern entscheidet die Kontrolle
Nach ungefähr 50 bis 100 Kilometern lohnt sich ein kurzer Rundgang. Prüfen Sie den Luftdruck, die Radbefestigung und die Laufflächen. Bei einem Nutzfahrzeug sollte zusätzlich kontrolliert werden, ob die Belastung zur vorgesehenen Achslast passt und ob sich an den Flanken Auffälligkeiten zeigen.
Meine einfache Faustregel lautet deshalb: die ersten 100 Kilometer ruhig und aufmerksam fahren, bis etwa 500 Kilometer keine Grenzmanöver planen und jede ungewöhnliche Veränderung ernst nehmen. So können sich Reifen, Fahrer und Fahrzeug aneinander gewöhnen, ohne dass aus einer normalen Einfahrphase ein Sicherheitsproblem wird.